231.065 (Typ 2`C1`) 5440/1922 J. A. Maffei 

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Die Pacifics der C.F.R. wurden zwischen 1913-1923 von den deutschen Lokomotivenhersteller J.A. Maffei (München)
und Henschel & Sohn (Kassel) wie folgt gebaut.
 

Typ Hersteller Werksnummer Baujahr
2201 - 2240 J. A. Maffei 3365 - 3384 1913
    3462 - 3466 1914
    3467 - 3472 1915
    3473 - 3476 1916
    3477 - 3481 1917
       
231.041 - 231.060 J. A. Maffei 5426 - 5445 1922
       
231.061 - 231.090 Henschel & Sohn 18995 - 19024 1922 - 1923

134.000 lei/Stück war der Beschaffungspreis für die Loks der Reihe 2201-2240.  Für die Reihe 231.041-231.060 zahlte der rumänische Staat 2.989.000 Reichsmark/Stück und für die Reihe 231.061-231.090, 4.340.000 Reichsmark/Stück.Die C.F.R. - Direktion hatte bei Maffei die Loks in 3 Etappen bestellt:

 
Typ Baujahr Anzahl
2201- 2220 1913 20 Lokomotiven
2221 - 2240 1914 - 1915 20 Lokomotiven
231.041 - 231.060 1922 20 Lokomotiven

Ing. Th. Bals bei Maffei in München mit der ersten Lok 2201

Das Bild von 1913 zeigt die rumänische Kommission mit Ing. Th. Bals bei Maffei in München mit der ersten Lok 2201. Die Loks wurden exklusiv dem Bw Bucuresti Calatori zugeteilt und waren auf den Strecken in Richtung Constanta, Pitesti, Galati und Marasesti im Einsatz. Zwischen den zwei Weltkriegen wurden diese Loks vor den bekanntesten Zügen Rumäniens eingesetzt: Carpati Expres (1929), Carpati Pullman Expres (1929), Dunarea Pullman Expres (1929), Regele Carol I (1932), Fulgerul Pulman Expres (1938) u. a.


Trenul Albastru (Blaue Zug) in Bukarest bei der Abfahrt in Richtung Constanta (1938)

"Trenul Albastru" (Blaue Zug) in Bukarest bei der Abfahrt in Richtung Constanta (1938).

Zylinderdurchmesser:
Kolbenhub:
Treibraddurchmesser:
Dampfdruck:
Rostfläche:
Heizfläche:
Leergewicht:
Reibungsgewicht:
Dienstgewicht:
420 mm
650 mm
1855 mm
13 at
4,0 qm
315,0 qm
80000 Kg
45000 Kg
89000 Kg
2C1 - Heißdampf-Vierzylinder-Schnellzug-Lokomotive der Rumänischen Staatseisenbahn
Serie 2200, gebaut von J. A. Maffei, München 1913

Um die Fahrtzeit zu verkürzen, besonders auf der Strecke Bucuresti - Constanta wurden ab 1935, hinter den Pacific-Loks 5 vergrösserten Neubautender mit je 35 m3 Wasserinhalt eingesetzt. Diese komplett geschweißten Tender bekamen die Seriennummern 231.091-231.095.

231.091 bei der Lieferung von Uzinele Resita
231.091 bei der Lieferung von Uzinele Resita
 

Diese Tender wurden vermutlich selten eingesetzt, da man kein Bildmaterial mit solchen Tender auftreiben konnte. Zwei dieser Tender wurden bei Schneepflüge eingesetzt:

- 231.092 auf WPZ-S2 des Bw Iasi der z.Z. als Reservepflug dient, da er von einem hydraulischen Pflug ersetzt wurde. Der 231.092-Tender wurde in Resita 1932 mit der Werksnummer 185/1932 gebaut.
- Der zweite Tender mit der Werksnummer 231.093 gehört dem Schneepflug der sich in Bw Bacau befindet (Bezeichnung unbekannt). Beide Schneepflüge befinden sich noch in einem gutem Zustand.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die Pacifics auch zu den Bw  Iasi und Bw Buzau verlegt. Diese Loks wurden auch vor Personenzüge auf den schweren Gebirgsstrecken eingesetzt.
Lok 2211 wurde als Einfachtraktion am 2-3.9.1949 mit 4 Wagen auf der Strecke Bucuresti - Oradea über Predeal eingesetzt. Dienst hatten die Mechaniker: Teodorescu Mihai, Dima Ion und die Heizer Groza Marin und Popa Ion von Bw Bucuresti Calatori. 1951-1952 wurde der Schnellzug 31/32 mit 5 Wagen (20 Achsen, 250 tf) nur mit Pacifics befördert. Nur zwischen Cimpina und Predeal bekamen die Pacifics Unterstützung von einer 140.400 und zwischen Brasov und Predeal Unterstützung von einer Lok der 150 Baureihe.

Ein markanter Schwachpunkt der rumänischen Pacifics war die Kröpfachse auf der die Triebstangen der Innenzylinder arbeiteten. Im Inneren der Achse bildeten sich im Laufe der Zeit linsenförmige Luftansammlungen, von den Dampflokspezialisten auch "Luftflockenkrankheit" genannt. Dieses Phänomen war der ausschlaggebende Grund für die Verschrottung des größten Teiles der Loks aus der Reihe 2201 bis 2240 wie auch die Ausmusterung der restlichen Pacifics beginnend im Jahr 1970.
Möglicherweise ist die "Luftflockenkrankheit" auf einen, noch damals unbekannten, Materialermüdungsphänomen zurückzuführen. Einen anderen Grund könnte auch eine falsche Zusammensetzung der Stahllegierung sein, die für die Herstellung der Achsen verwendet wurde. Als Ersatz für die defekten Achsen, wurden im Jahre 1958 von C.F.R. über die Deutsche Bundesbahn 10 Stück neue Kröpfachsen bestellt. Erwähnenswert ist es an dieser Stelle daß der Ersatzteilzulieferer der Deutschen Bahn AG, sämtliche Teile aus der C.F.R. Bestellung wegen Qalitätsausschuß verschrotten mußte. Aufgrund dessen wurde die gesamte Bestellung neu aufgesetzt. Dies beweist doch wie schwierig die Herstellung solcher Kröpfachsen selbst nach 45 Jahren noch ist.

Kropfachse der Lokomotive 231.065

Die Pacifics kamen nach Rumänien mit Güterzüge in kaltem Zustand in Gruppen von jeweils 3 Lokomotiven. Alle Loks die 1922 bestellt wurden, sind bis Juni 1925 geliefert worden, außer der 231.054 die erst ab Oktober 1925 geliefert werden konnte. Diese Lok in dunkelgrün bemahlt wurde bei der Münchener Transportausstellung in der Zeit von Juni-Oktober 1925 gezeigt. Diese Lok war  in Bucuresti Calatori bis 1970 beheimatet. Nachdem der Kesselreparatur-Termin überschritten war, wurde die Lok in Bucuresti Basarab abgestellt und 5 Jahre später verschrottet. Obwohl sie die letzte Lok war die zu C.F.R. kam wurde sie als erste verschrottet. Auch die restlichen Loks wurden bis Ende 1983 verschrottet.

1970 markiert den Anfang vom Ende einer glänzenden Pacific-Ära. In dieser Zeit sind noch folgende Loks im Einsatz : 2201, 2202, 2204, 2209, 2211-2213, 2215, 2229, 2237-2239, 231.041-231.051, 231.053-231.066, 231.068-231.070, 231.072-231.089. Die Lok 231.090 wurde am 4.4.1944 bei der Bombardierung Bukarests zerstört. Im Winter 1972-73 benutzte Bw Bucuresti Calatori noch die Loks 231.043, 231.049, 231.056, 231.063, 231.069 und 231.089 bei der Beförderung und Beheizung folgender Züge: A 602/115, A 118/611, A 508/119, A 120/507, A 612/117, A 116/601 auf der Strecke Bucuresti Nord - Ruse; P 1012 auf der Strecke Bucuresti Basarab - Zimnicea (nur gelegentlich eingesetzt) ; P 3006 auf der Strecke Bucuresti Nord - Ploiesti (nur zum beheizen des Zuges). Ein Jahr später im Winter 1973-74 wurde nur noch die Lok 231.042 für die Beförderung von "Bulgaria Expres" auf der Strecke Bucuresti Nord - Ruse benutzt und 1974-75 die Lok 2213 für den gleichen Zug. Die Lok 2211 war im August 1973 in Bw Iasi im Einsatz und die Loks 231.044, 059, 062, und 073 wurden in Bw Buzau für die Personenzüge auf der Strecke Buzau - Constanta im Sommer 1973 eingesetzt.
1977 waren in Iasi: 2211, 231.045, 008, 055, 007, 077, 084 und zwei Jahre später waren nur noch 231.077 und 087 übrig geblieben.
1980 waren im Bahnhof Bucuresti Basarab folgende Pacifics beheimatet: 231.058, 060, 075, 080,009, und in Buzau die Loks: 231.062, 005, 085, 088.

Lok 2213 am 4.1.1975 als letzte Pacific im Einsatz

Das Bild zeigt Lok 2213, am 4.1.1975 als letzte Pacific im Einsatz. Die letzte Fahrt fand statt am 10.01.1975 und um 8.47 kam sie in Bukarest (Gara de Nord) an.

1974 befanden sich 2 betriebsfähige Lokomotiven mit der bestandenen Kesselreparatur in Atelierele Cluj: 2209 und 2213. Obwohl beide Lokomotiven betriebsfähig waren wurde nur Lok 2213 für den "Bulgaria Expres" (612/117 bzw. 118/611) eingesetzt. Die Lok 2209 war eine Reservelok und wurde ohne nur ein einzigen Kilometer gefahren zu haben verschrottet. Ihr Kessel wurde bis 1983 als Dampfspender auf einer Großbaustelle in Bukarest verwendet.

Skizze der verschiedenen Pacifics der C.F.R.
Skizze der verschiedenen Pacifics der C.F.R.
 
Die Pacifics sahen ungewöhnlich aus, da ihre Zylinder weit vorverlegt waren, um die erste Kuppelachse antreiben zu können. Sie besaßen Barrenrahmen, und es waren nur zwei Kolbenschieber vorhanden, die alle 4 Zylinder über gekreuzte Kanäle versorgten. Die Steuerung war von der Heusinger-Bauart und Schmidt-Überhitzer waren vorhanden. Gut sichtbar ist die Zurücksetzung der hinteren Laufachse, um Raum für den großen Rost und Aschkasten zu bekommen. Mit einer Höchstgeschwindigkeit von 126 Km/h waren sie die schnellsten Dampflokomotiven Rumäniens.

Die Lok 231.052 (Bw Bucuresti Calatori) wurde in dem tragischen Unfall bei Mogosoaia am 31.05.1966 schwer beschädigt als der Personenzug gezogen von der Pacific mit einem Triebwagen frontal zusammenprallte. Die Lok wurde 1967 in "Atelierele 16 Februarie" in Cluj verschrottet.
Die Lok 231.067 mit dem Schnellzug 612 wurde auf der Strecke Iasi - Bucuresti am 12.03.1967 gegen 8.55 Uhr wegen einer Entgleisung, schwer beschädigt. Die Unfallursache war zu hohe Geschwindigkeit auf der Nebenstrecke. Bei diesem Unfall der sich in der Haltestelle Frunzeasca ereignete starben 10 Menschen und 24 wurden verletzt. Die Lok wurde 1971 in "Atelierele 16 Februarie" in Cluj ebenfalls verschrottet. Der Kessel wurde jedoch repariert und diente bis 1980 als Dampfspender. Anschließend fiel er auch dem Schneidbrenner zum Opfer.

Lok 2211
Lok 2215
Lok 2211
Lok 2215
   
 
Lok 231.053
Lok 231.074
Lok 231.053
Lok 231.074

Lok 231.065 die wieder unter Dampf steht Lok 231.065 die wieder unter Dampf steht
Lok 231.065 - die wieder unter Dampf steht

Diese überaus geschätzten Pacifics, bei der sich Zuverläßigkeit und Wirtschaftlichkeit mit ansprechenden äußeren Eindruck aufs vortrefflichste verbanden, muß nicht eigens hervorgehoben werden. Diese Loks waren eine Meisterleistung des deutschen Lokomotivbaus.

Heute sind alle Pacifics verschrottet außer der Lok 231.050 (Bw Bucuresti Calatori) und der Lok 231.065 die wieder unter Dampf steht.

 

Lok 231.065 bei einer Sonderfahrt Lok 231.065 bei einer Sonderfahrt
Wunderschön ist die Lokomotive 231.065 bei einer Sonderfahrt zu beobachten.
Foto Jaroslav Jaburek

Aufenthalt der Lokomotive 231.065 in Sibiu, Sommer 2002
Fotos Ottmar Löffler

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